Es
soll kein zweiter Aufguß von Metropolis, Big Brother oder Matrix werden,
und es soll niemand verteufelt oder negativ dargestellt werden! Der Film
soll vielmehr anknüpfen an genau die Welt, in der wir heute leben und
er soll ausmalen, was in der Zukunft passieren könnte, wenn ein Monopolist
zuviel Macht besitzt. Es geht nicht darum, Freie Software gut und andere Systeme oder Webdienste
schlecht zu machen, sondern der Inhalt des Filmes soll wahrheitsgemäß
die Gefahren einer wie auch immer gearteten Monopolisierung der digitalen
Welt darstellen und in die Zukunft fortschreiben, was passieren könnte,
wenn einer solchen Monopolisierung nicht begegnet wird.
Den
besten Low-Budget-Videofilm honoriert das Linuxhotel mit 3.000€.
Teilnehmen darf jeder (Gruppen, Einzelpersonen, Firmen, Schulen,...).
Mit
diesem Preisgeld bezahlt das Linuxhotel gleichzeitig dafür,
daß dieser etwa 3-10minütige Film unter die Creative Commons Lizenz gestellt wird, so daß es frei im
Internet publiziert (u.a. bei YouTube und auch in anderen Plattformen) und von jedem jederzeit und überall gezeigt
werden kann:
Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Der Rechtsweg
ist ausgeschlossen. Einsendeschluß für Videofilme ist der
31.12.2009. Wir schlagen dringend vor, daß Teilnehmer an diesem
Wettbewerb im ersten
Schritt ein Manuskript / Drehbuch der Handlung vorab an das Linuxhotel
senden, bevor
die Arbeit des Filmens begonnen wird. Denn es soll nicht irgendein Film
enstehen,
sondern zumindest ein Großteil (gern auch alle) der nachfolgenden
Gedanken
muß in die Spielfilmhandlung eingebaut werden. Darüberhinaus
besteht
jedoch völlige Freiheit, Handlungen, Personen usw. zu gestalten.
Gern sollen auch weitere Aspekte dargestellt werden. Im Abspann des
Films soll www.Linuxhotel.de als Förderer genannt werden.
Inhaltliche Anforderungen an den Film
Der Monopolist nutzt seine Macht nicht bösartig, sondern einfach nur
gewinnorientiert. Die im Film gezeigten Probleme entstehen nicht durch Machtmißbrauch,
böse Absicht usw., sondern dadurch, daß der Monopolist, die Gesellschaft
und Behörden die entstehenden Folgen und Mißbrauchsmöglichkeiten ohne bösen Willen übersehen.
Die gezeigte Welt ist genau so wie wir sie kennen, keine Übertreibung,
keine Schwarzmalerei. Statt dessen kleine nette Computer, bunte Werbung,
nette Unternehmen in hellen Gebäuden mit sympatischen Mitarbeitern.
Die gezeigte Realität soll der tatsächlichen entsprechen - der
Reiz soll gerade dadurch entstehen, daß bestimmte Effekte, die zunächst
für ungefährlich gehalten werden, letztlich zu spannenden Problemen
führen.
Diese Effekte sind z.B. (weitere Ideen erwünscht!):
- Der Monopolist bietet den zentralen Internetdienst "MEINEDATEN"
an, bei dem jeder Computeranwender nur ein einziges Mal seine Adresse und
Kontoverbindung speichern muß. Das ist bequem, denn anschließend
kann man bei beliebigen Versandhäusern im Internet einkaufen und muß
nicht jedesmal seine Daten nochmal eingeben. Da ohnehin 90% der Computer
unter der Software des Monopolisten laufen, hat dieser Dienst bald die Daten
fast aller Anwender gespeichert. Die meisten Anwender machen mit, weil Sie
ja nichts zu verbergen haben und weil sie in einem freien, westlichen Staat
wohnen, dem sie vertrauen.
Folgen:
- Immer mehr Versandhäuser akzeptieren nur noch Kunden,
die ihre Daten bei MEINEDATEN hinterlegt haben, es setzt ein Lawineneffekt
ein, man muß letztlich seine Daten bei MEINEDATEN hinterlegen, um überhaupt
im Internet einkaufen zu können.
- MEINEDATEN beginnt, "aus Sicherheitsgründen" immer mehr
persönliche Fragen im Rahmen des Anmeldvorgangs zu stellen.
- MEINEDATEN beginnt, "aus Marktforschungsgründen" auch
die Produkte zu erfassen, die die Anwender im Internet kaufen.
- MEINEDATEN verkauft Informationen an Handel und Behörden.
- So manche Bananenrepublik erwirbt Informationen bei MEINEDATEN.
Bestimmte Leute werden verhaftet oder ausgewiesen, weil aus den MEINEDATEN-Statistiken
hervorgeht, daß sie der Kirche oder der chemischen Behandlung von Bananenstauden
kritisch gegenüberstehen (z.B. weil sie mehrfach kritische Bücher
oder Videos gekauft haben).
- Bei Arbeitgebern wird es üblich, vor Einstellungen Informationen
über jeden Bewerber bei MEINEDATEN einzuholen. Auf diese Weise gelingt
es den Firmen immer besser, nur zu ihnen passende Mitarbeiter zu beschäftigen,
die Monokultur in Firmen wächst.
- Kleine Glaubensgemeinschaften, Parteien usw. sterben aus, weil
ihre Anhänger einen immer engeren Arbeitsmarkt finden.
- Webseiten,
elektronische Präsentationen in Vorträgen usw. dürfen
patentierte Darstellungs- und Kommunikationstechniken nur mit
Genehmigung des Monopolisten verwenden.
Folgen:
- Bestimmte Verlage können Sachverhalte sehr
anschaulich mit Hilfe patentierter Softwaretechniken auf ihren
Webseiten vermitteln.
- Andere Verlage müssen versuchen, die gleiche
Berichterstattung unter Vermeidung patentierter Darstellungstechniken
zu schaffen.
- Im
Extremfall können Rechtsanwälte bestimmte Techniken zur
Veranschaulichung vor Gericht nur dann anwenden, wenn die Inhaber
dieser Kommunikationstechniken dies erlauben. Selbstverständlich
hat der Inhaber von Kommunikations- oder Darstellungstechniken das
Recht, nicht mit jedem Lizenzverträge abzuschließen.
- Aus Wartungsgründen ist der Monopolist in der Lage, Daten
aus jedem Rechner zu lesen, der am Internet angeschlossen ist.
Folgen:
- Versehentlich werden immer wieder auch Daten gelesen, die über
die Anwender Auskunft geben. Welche DVDs sie auf dem Computer angeschaut
haben, welche Musik sie hören, welche Webseiten sie besuchen. Der Monopolist
argumentiert, daß Software niemals fehlerfrei sein kann und daß
man mit solchen Effekten leben muß.
- Ein unzufriedener Mitarbeiter des Monopolisten sammelt diese
Daten und erpreßt den Monopolisten damit, die Daten mit Nennung der
Namen aller Anwender frei ins Internet zu stellen. (Parallel zu dem real
passierten Fall, bei dem ein Mitarbeiter einer Großbank in Luxemburg,
die Bank erpreßt hat, eine Kundenliste an die Steuerfahnung zu geben.
Diese Liste ist tatsächlich an die Steuerfahnung gelangt und wird bis
heute abgearbeitet - Anzeigen, Prozesse, Steuerhinziehung,...)
- Wie jedes moderne Unternehmen hat auch der Monopolist "Company
Policies" und ist stolz darauf, nicht nur profitorientiert zu arbeiten, sondern
auch übergeordneten Prinzipien verpflichtet zu sein.
Folgen:
- Der Monopolist weigert sich, bestimmten Pharmakonzernen seine
Software / seine Dienste zu lizensieren, weil diese z.B. Abtreibungsmittel verkaufen. Falls
der Monopolist z.B. als katholisches Unternehmen gegen Kondome eingestellt
ist, wird er deren Fertigung blockieren, indem Kondomhersteller keine Lizenzen
bekommen und folglich unfähig werden, Webseiten zu betreiben oder ihre
computergesteuerten Produktionsmaschinen weiter laufen zu lassen.
- Als patriotisches Unternehmen wird der Monopolist selbstverständlich
auch nicht gegen die Interessen des Landes handeln, in dem er beheimatet ist.
Wirtschaftstreitigkeiten, Uneinigkeiten über die Vorgehensweise im Irak
und andere Differenzen zwischen Staaten, könnten sehr wirkungsvoll und
moralisch korrekt in die Softwareindustrie verlagert werden. Wer will es
einem Staat verübeln, wenn er einen anderen Staat, dessen Politik er
für dumm und schädlich und gefährlich hält, dadurch schwächt,
daß dieser z.B. immer nur die veraltete Softwareversion bekommt.
- Wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen ist der Monopolist natürlich
berechtigt, seine wirtschaftlichen Eigeninteressen zu vertreten.
Folgen:
- Es ist selbstverständlich verboten, die Software / die Dienste des Monopolisten
dazu zu verwenden, Webseiten oder Texte zu erstellen, die sich kritisch mit
dem Monopolisten auseinandersetzen.
- Wer als Raubkopierer von Software 3mal aufgefallen ist, darf
die Software des Monopolisten nicht mehr verwenden (d.h. er wird auch keinen
Job mehr finden, weil immer mehr Arbeitsplätze am Computer sind).
- Selbstgeschriebene Software, muß aus Sicherheitsgründen
vom Monopolisten zertifiziert werden, bevor sie verwendet oder verbreitet
werden darf. Selbstverständlich darf der Monopolist ohne Angabe von Gründen
Programme verbieten, die aus seiner übergeordneten Sicht nicht geeignet
sind, mit seiner Software zusammenzuarbeiten.
- Der Monopolist liefert die Techniken, mit denen Texte und Familienfotos
gespeichert werden. Der Patentschutz verbietet es anderen Softwareherstellern,
Texte oder Bilder zu lesen, die mit Programmen des Monopolisten erstellt
wurden.
Folgen:
- Der Monopolist entwickelt seine Programme permanent weiter
und ist selbstverständlich nicht in der Lage, alle alten Dokumente oder
Bilder mit jeder neuen Software öffnen zu können. So passiert es,
daß Privatleute an ihr Bilderalbum und Industrieunternehmen an ihr
Archiv nicht mehr herankommen, weil die neue Software es nicht mehr öffnen
kann und die alte Software auf der heutigen Hardware nicht mehr arbeitet.
- Zukünftige Bild&Texterkennungsprogramme werden es
möglich machen, allzu freizügige Bilder oder Texte mit vom Monopolisten
nicht akzeptiertem Inhalt von vornherein nicht mehr anzuzeigen.
|
Bitte weitersagen!
Bitte Filmemacher,
Filmhochschulen, Autoren usw. auf diesen Wettbewerb hinweisen! Weitere Informationen
Die
Stadt Essen, in der das Linuxhotel
jedes Jahr etwa 100 Schulungen für Firmen und Organisationen
veranstaltet, die auf Freie Software umstellen, wird im Jahr 2010
"Kulturhauptstadt Europas":
Anläßlich
dieses Ereignisses werden schon heute im Ruhrgebiet eine Fülle von
Aktivitäten geplant und seitens des Linuxhotels möchte ich
darauf hinarbeiten, daß 2010 vielleicht, hoffentlich, die
Bedeutung Freier Software als Kulturgut von einer offiziellen Seite
anerkannt oder zumindest wohlwollend zur Kenntnis genommen wird.
Dieser Spielfilm könnte einer der zentralen Beiträge dazu
werden. Er soll unter eine freie Lizenz gestellt und anschließend
jedem Messeveranstalter, jedem Unternehmen und jeder privaten Gruppe
zur freien Nutzung bereitgestellt werden.
Georg C. Greve, der Präsident der Free Software Foundation Europe betont, "Software hat sehr viel
mehr Einfluss auf die Gesellschaft, als allgemein angenommen. Der
Zugriff auf Software ist die grundlegende Voraussetzung für wesentliche
Teile unserer Wirtschaft, er entscheidet über die Meinungsbildung durch
den Zugang zu Informationen und beeinflusst maßgeblich die
Möglichkeiten des Einzelnen zu Bildung, Kommunikation und Arbeit. Das
macht Software zu einer Kulturtechnik und einem Kulturgut." Mehr...
Software hat sich erst in jüngster Zeit zu einem der wichtigsten
Werkzeuge für eine freie Gesellschaft entwickelt, und dies ist bisher
weitgehend unbemerkt geblieben. Es ist ein Unterschied, ob eine
bestimmte Zahnrad-Technologie einem Unternehmen gehört, oder
Darstellungsformen, Kommunikationsweisen, Kulturformen verboten oder an
Lizenzbedingungen geknüpft werden.
Der Spielfilm ist eine Initiative der Linuxhotel GmbH, Reinhard
Wiesemann, Antonienallee 1, 45279 Essen.
|
|